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24.04.2014
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Die Restaurierung eines Motorrades BMW R 2

„Erfolg“ nach 10 Jahren
Unrestauriert noch zu gebrauchen?
Lack und Chrom neu – was lange dauert, wird gut!

  Es gehört zu den technisch-romantischen Erscheinungen der Gegenwart, ein altes, traditionsreiches Motorrad wieder in den heutigen Straßenverkehr zu bringen, original oder restauriert.

Etwas gehoben ausgedrückt spricht man von der Bewahrung technischen Kulturgutes.
Im gängigen Umgangston heißt das Oldtimer-Restaurieren.

Vorgeschichte

Irgendwann im Jahr 2000 beim Besuch eines Kaffees in der Stadt fiel mir eine zwar wenig schön lackierte aber eben auch „nur“ eine Harley Davidson ins Auge, die vor dem Kaffee parkte. Die oben angesprochene Neugierde befiel mich wieder und ich hockte mich vor das Gebilde aus Blech und Maschinenteilen, um es auf mich wirken zu lassen. Kurz darauf hockte sich ein mir bis dahin unbekannter Gleich- oder Ähnlichgesinnter neben mich und ließ es auch auf sich wirken.
Ein kurzes Hallo und meine Bemerkung, dass ich mich eigentlich nur für BMW interessiere, entlockte ihm seinerseits die Bemerkung, dass er einen Motorrad-
Eigenbau aus einem Spondon-Rahmen (eine exklusive, englische Rahmenbau-Firma) und einem 3-Zylinder-Triumph-Motor selbst in den Rahmen hinein konstruiert und dann montiert habe. Alle Achtung, dachte ich.
Er war ein Diplom-Ingenieur und äußerte beiläufig – Gott sei Dank! –, dass er noch einen BMW Besitzer in seiner Firma kenne, der eine alte Einzylinder BMW habe. Das war die Initialzündung, die zunächst alle meine weiteren Pläne sprengte.

Stegmann BMW R 2

Bestandsaufnahme

Ein wenig erschrocken aber nicht unglücklich besah ich das Häufchen Rost mit Motor, das nach 80 Jahren noch beachtlich wie ein Motorrad aussah (Bild 3). Ich besitze heute und hatte auch früher Einzylinder BMW mit geringem Hubraum und wenig PS, die ich restaurierte, u. a. eine R 2 – mein Jahrgang 1935 – die ich wegen einer zu erwerbenden R 35 wieder abgab. Eigentlich schlägt mein Herz noch immer für Boxer mit etwas mehr Power. Aber mit den Jahren lassen die physischen Kräfte nach. Die derbe aber nicht uncharmante, etwas leichtere, kleine R 2 mit der stakeligen Gabel, dem buckeligen Tank würde sich gut chauffieren lassen.
Sie hatte es mir sofort (wieder) angetan. Lange Jahre waren allgemein die alten „Kleinen“ von BMW in der Szene nicht sehr gefragt. Das hat sich geändert.

Der vollständige Bericht erschien in den Clubnachrichten, Ausgabe 4/2011, die allen Mitgliedern des BMW Veteranen-Club Deutschland e.V. viermal im Jahr direkt zugesendet werden; voll in Farbe und jeweils ca. 70 - 80 Seiten. Diesen Bericht finden Sie auch in der rechten Spalte auf dieser Seite.

Demontage und Aufarbeitung

Teile abzuschrauben ist eine einfache Sache. Es geht schneller als jeder Zusammenbau. Ein wenig Rostlöser und die (fast alle) Feingewindeschrauben M 8 x 1!! mit Bund gingen sämtlich gut los. Man darf allerdings eine Ordnung nicht vergessenen, denn die Schrauben sollten alle wieder an ihre alten Stellen. Das beste Ordnungsmittel ist eine Liste mit Schraubenlänge, Gewindelänge, Durchmesser, zugehörige Scheiben und vor allem dem Platz, wo sie 80 Jahre lang gesessen hatten.
Nur sehr wenige, offenbar damals verlorene und ersetzte Schrauben mit Muttern hatten Normalgewinde M 8 x 1,25.
Ich habe alle Schrauben mit allerbestem Erfolg wie folgt bearbeitet bzw. lassen:
Zuerst grobe mechanische Entrostung/Säuberung an der rotierenden rotierenden Drahtbürste. Die Bohrmaschine ist dazu waagrecht auf dem Arbeitstisch befestigt. Dann kommt die chemische Entoxydierung, das Abbeizen oder Abziehen. Einer erneuten vorsichtigen Schleifbehandlung am Schleifteller zu Hause folgte dann das preiswerte
galvanische Verzinken mit einer sogenannten Dickschicht-Passivierung. Letztere kostet kaum mehr. Sie wird nicht überall angeboten. Alles wirkt ein klein wenig matter, chromiger und macht sich optisch ganz prima und nostalgisch. Das Nachschneiden von Muttern und
Schrauben kann notwendig werden. Schneideisen und Gewindebohrer mit der Steigung 1 sind überall zu kaufen. Bei den Maßen 6 x 0,85 ist das schwieriger. BMW verwendete lange Jahre für 6-mm-Schrauben und Muttern dieses Maß. Die Bearbeitung der ca. 2 kg Schrauben ist für eine gute Restaurierung sehr wichtig!

Und da liegen sie nun in der kleinen Einheitsgarage, in Kartons verteilt (Bild 8), als Blechteile (Bild 17), als teildemontierte Aggregate und man kann sich vorstellen, dass ein derart genervter Schrauber bereits zu diesem Zeitpunkt an Aufgabe oder den „Verkauf in Teilen“ denkt.
Alles Korrodierte, Schadlackbehaftete, Schmutzige, Großflächige ging dann zum Strahlen mit Sand und Glasperlen. Vor dem Strahlen muss jedoch gut abgespachtelt und gewaschen werden. An fettigem Schmutz prallen die Strahlteilchen ab. Die drei Hauptaggregate wurden grob gereinigt, zerlegt und erneut gewaschen, bevor die Bearbeitung der Mechanik begann.

Zusammenbau

Nachdem alle Teile zusammengestellt und komplett bereitlagen, konnte der Zusammenbau erfolgen. Nicht nur für den Edelschrauber ist das die schönste Arbeit. Man sieht den Erfolg wachsen. Die einzelnen Tätigkeiten zu beschreiben, sprengt den Rahmen meines Berichtes. Ich möchte ein Detail jedoch erwähnen, weil es nur noch
wenige Jahre bei BMW gab, in denen das gezeigte Abdeckblech (übrigens nur bei Einzylindern) verbaut wurde (Bild 38). Das Bodenblech und auch meines Erachtens die markanten Gabelscheiden verkörpern im besonderen Maße Nostalgie der ansonsten recht modern anmutende BMW R 2. Auf dem Blech sind der Werkzeugkasten und die Batterie befestigt.


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(Copyright L. Stegmann,
BMW Veteranen-Club e.V.)
BMW R 2
Schlussbetrachtung

Diese Restaurierungsgeschichte ist keine Sensation. Aber die Organisation der einzelnen Tätigkeiten verlangt Ordnungssinn, Fantasie und Hingabe. Vielleicht konnte der Leser ein paar Tipps bekommen und im Zusammen- hang diese besondere Hobby-Aktivität miterleben. Die kleine „200er mit 6 PS“ wird wenig Fahrleistung erzielen. Es wurden ca. 1.800 Stück davon gebaut. Sie wird auf dem großen Oldtimer-Markt nicht gerade häufig gesucht. Aber ihr künftiger Fahrer hat mit ein wenig Stolz in 14 Monaten einen Haufen Rost zum Leben erwecken können und gibt der Hoffnung Ausdruck, dass in weiteren 80 Jahren für nachfolgende Generationen etwas davon übrig bleibt. Bis dahin erst einmal Freude am Fahren.
Text und Fotos Hans-Lothar Stegmann